10.05.2020 - Sonntag Kantate

Sonntag   Kantate                   (Singt – Psalm 98,1)

 

„Der Geist des Herrn aber wich von Saul, und ein böser Geist vom Herrn verstörte ihn. (…) Da sprach Saul zu seinen Knechten: Seht nach einem Mann, der des Saitenspiels kundig ist, und bringt ihn zu mir.
Da antwortete einer der jungen Männer und sprach: Ich habe gesehen einen Sohn Isais, des Bethlehemiters, der ist des Saitenspiels kundig, ein tapferer Mann und tüchtig zum Kampf, verständig in seinen Reden und schön, und der Herr ist mit ihm. (…)
So kam David zu Saul und diente ihm. Und Saul gewann ihn sehr lieb, und er wurde sein Waffenträger.(…) Wenn nun der böse Geist von Gott über Saul kam, nahm David die Harfe und spielte darauf mit seiner Hand. So erquickte sich Saul, und es ward besser mit ihm, und der böse Geist wich von ihm.“              1. Samuel 16, 14-23

Liebe Gemeindeglieder,

wir haben eine gute Bekannte, die ist Musiktherapeutin. Dieser relativ neue Beruf nutzt die Erkenntnis, dass sich Musik auf bestimmte Heilungsprozesse günstig auswirkt. Das gilt insbesondere für seelische Erkrankungen und Störungen. Musik kann da entkrampfend, lockernd und lösend wirken. Ängste werden abgebaut, Traurigkeiten werden überwunden und Unruhe wird aufgelöst. Natürlich wird der Arzt dadurch nicht überflüssig, aber die Musik unterstützt, fördert oder regt den Heilungsprozess noch weiter an.

Dabei ist diese Erkenntnis gar nicht so neu, wie uns die obige Geschichte von Saul und David zeigt. Ein „böser Geist“, heißt es hier, habe Saul sehr unruhig gemacht. Die Tragödie dieses ersten israelitischen Königs bestand darin, dass ihm die Königswürde zu Kopf gestiegen ist und er nun nicht mehr nach Gott und seinem Gebot fragte. Das Ergebnis davon war, dass ihn eine tiefe Unruhe erfasste. Rastlos trieb es ihn um. Er musste ja von Ängsten geplagt und von Alpträumen gequält werden. Wer Gott aus seinem Leben streicht und sein eigener Gott sein will, der muss ja sehen, wie er sich behauptet, wie er sich darstellt, wie er bei den Leuten ankommt,

ob er auch genug Ansehen genießt, ob er auch der ist, der er sein möchte; und sehr schnell gerät man in einen furchtbaren Strudel, gemischt aus Angst und Hochmut, aus Verzweiflung und Selbstüberschätzung. Einen „bösen Geist“ nennt das die Bibel, weil alles, was sich innerlich von Gott abgewandt hat, von seinem guten Geist verlassen ist. Es gleicht einem Blatt im Wind, ruhelos und ziellos hin- und hergeworfen. Ohne Gottesbindung treibt der Mensch vor dem Wind der Zeit dahin und ängstigt sich, weil er nicht weiß, wo er stranden wird. So war das bei Saul, und so ist es bis in unsere heutige Zeit hinein.

Und nun geschah das Überraschende: das Saitenspiel des jungen David beruhigte den ruhelosen Saul. Wenigstens für eine Weile wich der böse Geist, wichen Angst und Depressionen und „es ward besser mit ihm“. Das war „Musiktherapie“ in alter Zeit. Was war ihr Geheimnis, warum hat es funktioniert? Ich glaube nicht, dass es deshalb gelang, weil David irgendeinen verborgenen Akkord, eine bis dahin unbekannte Melodie gespielt hat, wie das Leonard Cohen in seinem genialen Lied „Halleluja“ beschreibt. Vielmehr dichtete, spielte und sang David zur Ehre Gottes. Seine Psalmen, die wir ja heute noch in der Bibel finden und nachlesen können, sind zu Liedern gewordene Gebete, die in ehrlichen Worten Gott alles sagen, was den Beter innerlich beschäftigt. Da finden wir Klage über erlittenes Unrecht, Bitte um Hilfe und Unterstützung, Staunen über Gottes Handeln, Eingestehen von eigenen Fehlern und Versagen, Dank für erfahrene Rettung, Freude am Lob Gottes, Jubel über Gottes Barmherzigkeit und vieles andere mehr. Das ist es, was Gott erfreut: dass wir regelmäßig die ganze Bandbreite dessen, was uns umtreibt, mit ihm bereden und uns seiner nicht nur dann erinnern, wenn uns das Wasser bis zum Halse steht, wenn unsere Kraft und Weisheit am Ende sind und wir nicht mehr ein noch aus wissen.

David war vor allem dadurch ein „Mann nach Gottes Wohlgefallen“, weil er sein Leben in enger Gemeinschaft mit Gott lebte. Er war deswegen nicht unbescholten und sündlos. Keineswegs, auch David hatte genug Dreck am Stecken. Aber er fand immer wieder zurück zu Gott und bekannte ihm, was er falsch gemacht hatte und bat um Vergebung seiner Sünden. So stellt sich Gott ein Leben mit uns vor. Klar möchte er, dass wir ein sündloses Leben führen. Er weiß aber auch, dass wir das nicht hinbekommen. Deshalb hat er uns die Möglichkeit geschenkt, am Kreuz von Jesus Christus all unsere Schuld abzugeben und loszuwerden und so wieder neu anzufangen. Das geht aber nicht automatisch, sondern nur, wenn wir ihn auch darum bitten. Und dazu ist Gemeinschaft nötig, Gemeinschaft mit ihm im stetigen Gebet.

David damals lebte so und indem er dichtete und spielte, diente er Gott mit seiner Musik. Und eben damit diente und dient er auch den Menschen. Alles Böse und Zerstörerische in unserer Seele wird gebändigt, wenn Gott wieder Raum in uns findet, und die Musik leistet dabei eine unentbehrliche Hilfe. Wie viel Hoffnung, Befreiung und Freude wird geschenkt, wenn die Stimme eines einzelnen oder vieler zusammen den Namen Gottes und die Herrlichkeiten seiner Macht und seiner Wunder in die Nacht hineinsingen, in der so viele Menschen leben. Und da ist es letztlich egal, ob mit gregorianischen Gesängen, Lutherliedern, Schlager-melodien, Gospel oder Lobpreismusik. Das ist eine Geschmacks-frage, über die trefflich diskutiert werden kann. Wichtig aber ist, überhaupt allem Bösen dieser Welt zum Trotz Menschen mit Hilfe guter und harmonischer Klänge das Heil Gottes zuzusingen, damit sie aus der Dunkelheit herausfinden, von der Anfechtung befreit werden und den Weg in die Gemeinschaft Gottes finden.

Wie gut dazu außerdem noch die Gemeinschaft mit anderen Sängerinnen und Sängern tut, wenn man gemeinsam ein neues Stück einübt, sich vielleicht auch mal plagt mit einer gewissen Passage, und dann die Freude erfährt, wenn es bei der Aufführung gelingt und die Zuhörer zufrieden, ja glücklich sind – davon können so manche Chormitglieder begeistert erzählen.

Wenn wir also singen, geistliche Lieder singen, dann ist das wie eine Therapie, die unser Herr und König Jesus Christus zuallererst uns angedeihen lässt, den Musizierenden. Und an zweiter Stelle den Zuhörern. Durch geistliche Musik wird uns das Evangelium ins Herz gesungen, auf dass es besser mit uns wird und die bösen Geister weichen:

„Nun freut euch, lieben Christen g‘mein, / und lasst uns fröhlich springen, / 
dass wir getrost und all in ein / mit Lust und Liebe singen, /
was Gott an uns gewendet hat / und seine süße Wundertat; /
gar teu‘r hat er‘s erworben.“

Amen.

Ihr Pfarrer Ronald Kleinert

 

Liebe Gemeindeglieder, da wir nun wieder regulär Gottesdienste feiern können, ist dies der vorerst letzte Zettel dieser Art.
Ab Sonntag, dem 17. Mai, finden in unserem Pfarrbereich die Gottesdienste wieder laut Plan statt. Auch in Gräfenhainichen in der Kirche.
(Bitte warm anziehen und Schutzmaske mitbringen.)

Am Donnerstag, dem 21. Mai, feiern wir ab 10.30 Uhr in Ferropolis unseren Gottesdienst zu Christi Himmelfahrt. In diesem Jahr in einer etwas anderen Form: als Autogottesdienst! 

Kommen Sie also in anderthalb Wochen mit Ihrem PKW nach Ferropolis. Dort werden Sie in der Arena zu Ihrem Stellplatz eingewiesen, von wo aus Sie am Gottesdienst teilnehmen können.

Herzliche Einladung!