03.05.2020 - Sonntag Jubilate

Sonntag   Jubilate       (Jubelt, jauchzt – Psalm 66,1)

„Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater der Weingärtner. Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, wird er wegnehmen; und eine jede, die Frucht bringt, wird er reinigen, dass sie mehr Frucht bringe. Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer und sie müssen brennen. Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.“ 

Johannes 15,1-8

Liebe Gemeindeglieder,

neulich machte ich mich über die zwei Weinstöcke her, die bei uns am Pfarrhaus wachsen. Da ich keine Ahnung habe, wie man die fachgerecht behandelt, schnitt ich mal forsch drauflos. Alles, was trocken aussah, fiel meiner Schere zum Opfer. Das war eine ganze Menge und bei manchen Zweigen stellte ich erstaunt und erschrocken fest, dass der äußere Eindruck trog und doch noch Leben darin war. Nun ja, ich habe die Hoffnung, dass die Pflanzen mir meine Aktion nicht allzu übel nehmen, denn sie treiben inzwischen an vielen Stellen wieder gut aus.

Wir leben ja hier in einer Gegend, die heutzutage nicht viel mit Weinbau zu tun hat. Dennoch hat wohl jeder schon einmal irgendwo einen Weinstock stehen und wachsen sehen. Dass es im alten Israel sehr viele davon gab, berichtet uns die Bibel an mehreren Stellen. Und dass es seit einigen Jahrzehnten dort wieder einen florierenden Weinanbau mit köstlichen Rebsorten gibt, davon konnten sich Ende Januar diesen Jahres etliche von uns vor Ort überzeugen.

Da nun in alter Zeit wahrscheinlich jeder etwas mit Weinbau zu tun hatte oder zumindest darüber Bescheid wusste, benutzte Jesus dieses Metier, um seinen Zuhörern daran einiges zu verdeutlichen, so z.B. in dem Gleichnis von den bösen Weingärtnern und in dem von den Arbeitern im Weinberg. Oder wie hier in diesem genialen Bild von sich selbst als Weinstock. Er ist der Weinstock, der Stamm, der Halt und Sicherheit gibt. Er ist fest gegründet in der Erde, aus der seine Wurzeln lebensnotwendiges Wasser und Nährstoffe entnehmen und bis in die letzten Spitzen seiner Zweige, der Reben, leiten, damit diese gut versorgt sind und dort Blätter und vor allem Früchte wachsen können. Es ist für jeden ohne Weiteres erkennbar, dass die Rebe nicht von sich aus Frucht bringen kann. Nur durch ihre Verbindung mit dem Weinstock ist es ihr möglich, den nötigen Lebenssaft zu erhalten, der überleben lässt und Frucht entstehen lassen kann. Losgelöst vom Weinstock wird sie über kurz oder lang verdorren. Was beim Weinstock so einleuchtend ist, erscheint auf uns Menschen übertragen vielen nicht ganz so eingängig. Dass unser Leben erst dann fruchtbar wird, wenn es in enger Verbindung zu Jesus bleibt, ist so manchem nicht einsichtig, ja wird sogar weithin abgelehnt. Und wenn Jesus hier sagt, dass wir ohne ihn nichts tun können, dann ruft das noch viel mehr Widerspruch hervor.

Natürlich können wir Menschen Dinge vollbringen, die nach unseren Maßstäben gut und sinnvoll sind! Und das tun wir ja auch ständig. Aber ohne Jesus werden sie am Willen Gottes vorbei getan. Wirklich im Sinne von Jesus zu handeln und den Willen Gottes zu tun, das geht nur, wenn wir „in ihm“ sind. Oder anders gesagt: nur, wenn wir mit ihm verbunden sind, hat er die Chance, durch uns zu handeln und Frucht entstehen zu lassen. Das Bleiben in ihm bringt Frucht. Daher wird in diesem kurzen Abschnitt 7 mal auf das „Bleiben“ hingewiesen. Jesus fordert uns nicht dazu auf, Frucht zu bringen, sondern er wirbt darum, bei ihm / in ihm zu bleiben, die Beziehung zu ihm zu pflegen. Dann wird die Frucht zu einer natürlichen Folge dieser Beziehung. Je mehr wir durchdrungen sind vom Wort Gottes und der Nähe unseres Herrn, umso mehr wird auch unser Denken, Wollen und Entscheiden vom Wort und Willen Gottes geprägt sein.

Hier wird wieder einmal ganz deutlich, dass das Christentum keine Religion ist, die auf dem Einhalten von Pflichten und Vorgaben fußt, um einen Gott milde zu stimmen, sondern von einer persönliche Beziehung zu Jesus Christus bestimmt wird, in der sich der Mensch durch den Heiligen Geist nach Gottes Bild und Plan formen und verändern lässt. Und so, wie die Rebe zum Fruchtbringen bestimmt ist, so ist es auch der Mensch in der Nachfolge Jesu.

Was sind nun die Früchte, von denen hier so viel die Rede ist? Da finden wir in der Heiligen Schrift zunächst einmal: Glaube, Liebe und Hoffnung. Dazu kommen noch Freundlichkeit, Demut, Geduld und Sanftmut. Insgesamt gesehen ist Frucht aber überall da, wo Gottes Wille geschieht: wo Menschen aus Armut und Not geführt werden, wo Leid an Körper und Seele gelindert wird, wo ein liebevoller Umgang miteinander geübt wird und die Botschaft von Jesus frei und fröhlich macht.

Noch einmal: diese Früchte entstehen nicht, indem wir uns Mühe geben und anstrengen. Das würden wir auf Dauer auch gar nicht durchhalten. Sondern wo sie erscheinen, ist das ein Zeichen für die gelebte und vertrauensvolle Gemeinschaft mit unserem Herrn Jesus Christus. Und es ist ein Zeichen für die Qualität Jesu, denn wo schöne Trauben an den Reben hängen, verweist das auf die Güte des Weinstocks.

Wir werden möglicherweise nicht immer das an Früchten unseres Lebens bekommen, was wir uns gedacht haben. Aber wir dürfen sicher sein, dass Gott aus unserem Leben etwas machen wird. Wir dürfen Frucht bringen, denn in der Verbundenheit mit ihm gibt es kein sinnloses, sondern nur mit Gnade und Segen erfülltes Leben. Seien Sie gespannt darauf, was Jesus aus Ihrem Leben noch alles machen wird, wenn Sie in seiner Gemeinschaft bleiben! Amen.

Ihr Pfarrer Kleinert