12.04.2020 - Ostersonntag

Gruß zum Ostersonntag 2020

Der Herr ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden!

„Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten als Erstling unter denen,
die entschlafen sind“                     
Korinther 15, 20

Liebe Gemeindeglieder, Jesus lebt! Das ist ein Wunder und ein Geheimnis, und es ist die nachvollziehbare Konsequenz all dessen, was Gott bis dahin getan hatte. Denn am Karfreitag lud er die Sünde der ganzen Welt auf sich selbst, damit wir Menschen von dieser Schuld befreit sind, die uns von Gott trennte. Nun können wir wieder Gemeinschaft mit ihm haben, denn er selbst beglich unsere Rechnung. Leider aber werden wir weiter sündigen, so sehr wir uns auch anstrengen mögen. Doch wenn wir das, was wir falsch gemacht haben ehrlich bereuen, dann trägt er hinter diese Sünden im Buch des Lebens den Vermerk „bezahlt“ ein. Und wenn ein Gegenstand einmal bezahlt ist, dann kann niemand von Ihnen fordern, den gleichen Gegenstand nochmals zu bezahlen. Wenn nun die Sünde weg ist, dann ist auch der Weg zu Gott wieder frei.

Allerdings: wenn Gott tot ist - und er ist am Karfreitag wirklich gestorben - dann können wir keine Gemeinschaft mit ihm haben; zu Toten kann man keine Gemeinschaft aufrecht erhalten. Aber jetzt, liebe Gemeinde, jetzt kommt das größte ABER der Weltgeschichte: Gott blieb nicht im Tode. Am dritten Tage nach der Kreuzigung ist er auferstanden von den Toten. Das ist naturwissenschaftlich sicherlich nicht beweisbar. Doch wir haben es mit Gott zu tun, der diese Welt und die Naturgesetze geschaffen hat. Warum sollte es ihm nicht möglich sein, diese auch außer Kraft zu setzen? Und dass er lebt, das haben Menschen seit dem ersten Ostern immer wieder erfahren. Wir können mit ihm reden, denn er hört uns zu. Wir können ihm danken und ihn loben für all das Gute, was er uns schenkt. Wir können alle unsere Probleme, Nöte und Sorgen mit ihm besprechen, denn er liebt uns und möchte, dass es uns gut geht. Bleiben Sie nicht bei theoretischem Wissen über Gott stehen, sondern lassen Sie sich auf eine lebendige Beziehung zu ihm ein. Dann werden auch Sie seine Liebe spüren, fühlen und jeden Tag auf’s neue erleben, weil er auferstanden ist und lebt.

Wenn es dann heißt, dass er als Erstling auferstanden ist, dann meint das: er ist für uns auferstanden, damit wir, wenn wir an ihn glauben, zu der gleichen Herrlichkeit auferstehen werden. Ich möchte das an einem Beispiel verdeutlichen:

Am 7. November 1963 geschah das „Wunder von Lengede“. Damals war dort ein Stollen in einem Bergwerk eingebrochen, wodurch 50 Bergleute verschüttet wurden. Nach 14 Tagen vergeblicher Bemühungen wurden alle Rettungsversuche abgebrochen und eine Trauerfeier für die vermeintlich Umgekommenen angesetzt. Ein Bergmann aber beharrte so eindringlich darauf, es gebe noch eine Rettungsmöglichkeit, dass man einen letzten Versuch unternahm. Tatsächlich fand man die Stelle, an der elf Bergleute seit Tagen ohne Nahrung und Trinken in absoluter Finsternis zwischen ihren toten Kameraden ausharrten. Zuerst bohrte man eine etwa 6 cm weite Öffnung, durch die man Licht und Nahrung hinab ließ. Dann kam die Rettungsbohrung von gut 60 cm Durchmesser. Durch sie passte eine Kapsel, die jeweils einen Bergmann aufnehmen konnte. Doch erst als der erste Kumpel oben angekommen war, wussten die anderen, dass auch sie gerettet werden konnten.

In den Osterberichten lesen wir, dass Christus der Erste war, der aus den Toten auferstanden ist. Und weil er wieder lebendig ist, dürfen auch wir wissen, dass wir nicht im Tode bleiben, sondern einmal mit ihm leben werden. Er ist uns vorangegangen und hat die Schlüssel des Todes und der Hölle. Er hat den Weg zu Gott und zu seinem himmlischen Reich frei gemacht. Wer zu ihm gehört, der wird auch in Ewigkeit leben wie er. Wer durch seine Taufe und sein Vertrauen zu ihm zu seinem Kind geworden ist, der gehört im Leben wie im Sterben und in Ewigkeit zu ihm.

Der Tod ist nichts Schönes und soll hier auch nicht glorifiziert werden, aber letztlich ist er für einen Christen doch nur eine Durchgangsstation auf dem Weg nach Hause zu seinem Herrn und himmlischen Vater. Diese Zusage haben wir von ihm.

Liebe Gemeindeglieder, was haben wir also von Ostern? Den freien Weg zu Gott, die Verheißung des ewigen Lebens und die feste Gewissheit, dass er schon jetzt hier während unseres irdischen Lebens immer für uns sorgt.

Ostern ist eben doch mehr als 4 Tage Freizeit, spazieren gehen, relaxen und Eier suchen mit den Kindern.

Und wenn dann doch einmal trübe Gedanken in uns hochkommen, gerade in diesem Jahr, wo vieles so anders ist und uns manche Sorge umtreibt, dann dürfen wir dennoch frohen Mutes in den 14. Vers des Liedes „Frühmorgens, da die Sonn aufgeht“ (EG 111) einstimmen, der da lautet:

Mein Herz darf nicht entsetzen sich;
Gott und die Engel lieben mich;
die Freude, die mir ist bereit,
vertreibet Furcht und Traurigkeit.
Halleluja.

Ich wünsche Ihnen allen ein gesegnetes Osterfest mit Relaxen und Spazieren gehen, aber auch gleichzeitig immer unter der Gewissheit, dass unser Herr auferstanden ist, dass er wahrhaftig auferstanden ist.

Amen.

Ihr Pfarrer Ronald Kleinert