10.04.2020 - Karfreitag

Gruß zum Karfreitag, 10. April 2020

 „Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott! Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt“.      Korinther 5, 19 – 21

 

Liebe Gemeindeglieder, seit Wochen schon nimmt die neue Atemwegserkrankung, die als Covid 19 bezeichnet wird, die ganze Welt in die Zange. Auch wenn wir hier in unserer Gegend - Gott sei Dank - noch weitgehend verschont geblieben sind von Ansteckungen und gar Todesfällen, so gibt es doch kaum noch ein anderes Thema bei den Gesprächen auf der Straße oder am Telefon. Selbst, wer am liebsten gar nichts mehr davon hören möchte, kann sich dem nicht entziehen, denn es ist ständig präsent. Viele sind verunsichert und besorgt,  manche sogar verängstigt, was da noch alles auf uns zukommt und welche Folgen das alles haben wird.

Nun führt diese Epidemie, ja Pandemie, auch noch dazu, dass wir die beiden wichtigsten christlichen Feste nicht in gewohnter Weise feiern können. Dennoch soll uns das nicht davon abhalten, uns durch den Karfreitag daran erinnern zu lassen, dass es noch eine andere „Krankheit“ gibt, die genauso tückisch, letztlich aber noch weitaus tragischer ist als ‚Corona‘. Diese „Krankheit“, diesen anderen „Virus“ nennt die Bibel „Sünde“. Sie tritt manchmal ebenfalls ganz unscheinbar auf, aber ihre Folgen sind gravierend. Und während von Covid 19 allerorten erzählt wird, ist die Sünde außerhalb von Kirchenräumen kein Gespräch wert. Manchmal kursieren auch sehr merkwürdige Bilder und Vorstellungen über Sünde in der Allgemeinheit. Die Bibel allerdings beschreibt mit diesem Begriff den Zustand eines Menschen, der von Gott getrennt lebt und seine dadurch falsche Lebensweise. Derjenige handelt nicht nach den Geboten Gottes und hat keine persönliche Beziehung zu Jesus.

Gott möchte, dass wir in Harmonie mit ihm und in Harmonie mit anderen Menschen leben. Sünde aber zerstört unser Miteinander und unsere Beziehung zu Gott. Die Auswirkungen davon haben wir tagtäglich vor Augen: Menschen entzweien sich, Familien zerbrechen, es kommt zu Lug, Trug und Totschlag, ganze Länder befinden sich im Krieg. Und die traurige Krönung des Ganzen ist die Trennung von Gott, die in alle Ewigkeit bestehen bleibt.

Was Trennung (von lieben Menschen) bedeutet, erleben wir gerade ansatzweise. Und nun stellen Sie sich mal vor, dass diese Quarantäne – konsequent durchgeführt – für den Rest unseres Lebens anhalten würde. Das wollen und das können wir uns gar nicht vorstellen. Genau das aber geschieht durch das Virus der Sünde: Trennung von Gott. Nicht nur 40 Tage, wie das Wort ‚Quarantäne‘ beinhaltet, sondern unser Leben lang und darüber hinaus. Trennung von dem, der uns das Leben geschenkt hat, der uns begleiten, raten, helfen, stützen, trösten und Zuversicht schenken möchte. Trennung von dem, der es wirklich gut mit uns meint, der unser Leben gelingen lassen und uns zu einem guten Ende führen will. Trennung von dem, der jetzt schon einen Platz für uns in seiner Herrlichkeit vorbereitet hat und uns dort dereinst in Empfang nehmen möchte. Wollen wir das alles aufgeben, wegwerfen, darauf verzichten für ein bisschen vermeintliche Freiheit, in der wir uns einbilden, tun und lassen zu können, was wir wollen?

Das Problem bei der Sache ist: das Virus, die Sünde, ist in der Welt. Wir können sie nicht wegwünschen und es gibt auch keinen Impfstoff dagegen, den Menschen einfach herstellen könnten. Von uns aus gibt es tatsächlich keine Möglichkeit, diese Krankheit zu überwinden. So hat es Gott selbst auf sich genommen, den Virus der Sünde zu bekämpfen, weil er uns liebt und Gemeinschaft mit uns haben möchte; weil er die Trennung, die Quarantäne nicht aushält. Er hat seinem Volk die Gebote gegeben, dass sie sich danach richten sollen. Er hat Propheten gesandt, die seinen Willen an seine Leute ausrichteten. Er hat Versöhnungsfeste feiern lassen, bei denen Schafen, sogenannten Sündenböcken, symbolisch die Last und Sünde des Volkes aufgebürdet wurde und sie dann damit in die Wüste geschickt wurden. Das alles hat nicht wirklich geholfen: wir Menschen sind doch zu starrsinnig und unbelehrbar.

Schließlich hat Gott das ultimative Opfer selber gebracht und ist in Jesus Christus auf dem Hügel Golgatha für die Sünden eines jeden einzelnen Menschen gestorben. Er war in Christus und versöhnte die Welt mit ihm selber und nun rechnet er uns unsere Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.

Gott selbst hat getan, was uns nicht möglich war. Er hat uns mit sich versöhnt. Wer das im Glauben annimmt, also daran glaubt und darauf vertraut, dass es tatsächlich für ihn/sie geschehen ist, der darf zu Gott kommen und wird von ihm in Frieden angenommen. Das führt uns der Karfreitag jedes Jahr wieder vor Augen, auch in diesem Jahr, wo alles etwas anders ist.

Nun ist es aber ja so, dass die Sünde dennoch weiter in der Welt existiert. Sie ist besiegt, aber immer noch da. Und sie richtet auch weiter Schaden an, selbst unter uns Christen. Was können wir tun? Da hat sich Jesus nochmal etwas ganz Geniales einfallen lassen, eine Art Schluckimpfung: wer das Heilige Abendmahl in dem Glauben einnimmt, dass es zur Vergebung der Sünden gestiftet wurde, für den hat es genau diese Wirkung.

Liebe Gemeindeglieder, sobald die Beschränkungen wegen Covid 19 aufgehoben werden und wir wieder in altbewährter Form Gottesdienste feiern können, werden wir auch fröhlich und dankbar diese „Schluckimpfung“ wieder zu uns nehmen, um uns gegen die Macht des Virus ‚Sünde‘ zu schützen.

Ich wünsche Ihnen einen besinnlichen und gesegneten Karfreitag.

Ihr Pfarrer Kleinert

 

In diesem Jahr werden in unserem Pfarrbereich am Karfreitag die Glocken um 15:00 Uhr zur Sterbestunde Jesu läuten. Bitte nutzen Sie die Gelegenheit, um sein Handeln für uns kurz zu bedenken und ihm dafür zu danken.

 

 

Wer Freude an guter Musik hat, kann gern mal hier hereinschauen:

Die Stücke wurden von Wesley Kassulke eingespielt, dem Organisten der Trinity Lutheran Church in St. Louis, Missouri.

Vor knapp 3 Jahren gab er hier in Gräfenhainichen ein Konzert.

 

https://www.facebook.com/TrinitySoulard/videos/217072672877320/?t=0

 

https://www.facebook.com/TrinitySoulard/videos/3102618806426889/?t=0

 

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